Am Bremer Theater, seit einiger Zeit Theater Bremen, liegt in der Spielzeit 2008/2009 ein Arbeitsschwerpunkt auf französischen Stücken.
Aktuell gibt es Molières “Der Menschenfeind”:
Molière, der in seinen Werken die Laster und Schwächen seiner Gesellschaft aufzeigt, entwirft auch in dieser Komödie ein Bild der Pariser Gesellschaft zur Zeit Ludwigs XIV.
Molières tragikomischer Held Alceste kann bei seinen Mitmenschen nur Lüge, Selbstliebe und Heuchelei erkennen. Er selbst, der stets darauf bedacht ist, die Wahrheit zu sagen, kann diesen Konventionen nicht folgen und eckt daher bei seinen Mitmenschen an. Nach üblen Machenschaften und Enttäuschungen von allen Seiten zieht sich Alceste aus der Gesellschft zurück - auf der Suche nach einem “Winkel, wo man als Ehrenmann noch ungestört und in Frieden leben kann.”
Molière thematisiert im “Menschenfeind” “die Unmöglichkeit grundsätzlicher und somit auch heutiger Gesellschaftskritik” (Theater Bremen), was die Regisseurin Alice Buddeberg dazu veranlasst hat, das Stück aus dem späten 17. Jahrhundert in die 1960er und 1970er Jahre zu verlegen.
Mit Hilfe von Sonnenbrillen, engen Hosen, Matrazenlagern, psychedelischem Licht, freier Liebe und 68-er Parolen setzt Buddeberg die berechtigte Kritik der Generation der 68er der ebenfalls berechtigten Kritik Alcestes gleich.
Aber auch die Gesellschftskritik der 68er wird durch Buddeberg relativiert. Am Ende zeigt eine Fotocollage, was aus den Hauptakteuren geworden ist: Während die einen im Knast landeten, haben die anderen ihr Glück im Familienleben gefunden.
Eine Gesellschaftskritik mit dem Ziel der Überwindung der gesellschaftlichen Missstände ist somit weder bei Molière noch bei Buddeberg möglich.
Insgesamt war es ein sehr abwechslungsreicher und komischer Theaterabend, auch wenn er manchmal seine Längen hatte. Dieser Meinung waren jedoch nicht alle Theaterbesucher. Während die anwesenden Schulklassen begeistert waren, konnten die Anhänger des Bremer Besucherrings sich nicht zum Applaudieren durchringen.

















