Frankreich ist wohl eins der wenigen Länder in Europa, dessen Einwohner das Recht auf Meinungsfreiheit in großen Gruppen besonders oft nutzen und kundtuen. Und das in Form von Streiks. Regelmäßig Berichten die Medien über einen Streik der Franzosen, die damit mal wieder ihrer Meinung zu einem aktuellen Thema oder grundsätzlich gegen eine Regierungsentscheidung oder Gesetzgebung Ausdruck verleihen wollen. Jüngstes Beispiel ist da natürlich die französische Fußballnationalmanschaft, Les Bleus, die gestreikt haben und das Training ausfallen ließen. Wie es dazu kam und über was die Franzosen sonst schon so gestreikt haben?
Das Klima innterhalb des französischen Nationalteams war schon bereits vor der Anreise nach Südafrika nicht besonders gut. Es stand schon vor der WM fest, dass Trainer Raymond Domenech im Anschluß nicht mehr weiter der Nationaltrainer bleiben würde. Auch wenn er seine Équipe Tricolore in der WM 2006 und EM 2008 noch relativ gut führte, so waren schon damals die Kritiker laut, die ihn und seine unkonventionelle Art scharf unter Beobachtung hatten. Seine Spielerwahl und –aufstellung währen der diesjährigen FIFA WM hatte für weiteren Zündstoff gesorgt.
Während der Halbzeitpause bei dem Spiel Mexico gegen Frankreich am vergangenen Donnerstag eskalierte dann die Situation in der Kabine. Spieler Nicolas Anelka soll dem Nationaltrainer ein paar unfeine Worte an den Kopf geschrien haben, welches allerdings nur durch einen internen Mitarbeiter nach außen hin an die Presse kommuniziert wurde. Der Französische Fußballverband beschloss nach dem Ausraster von Anelka diesen mit sofortiger Wirkung vom Spiel und von der WM zu suspendieren. Die Folgen: Frankreichs Delegationsleiter Jean-Louis Valentin trat zurück, das französische Lager ist komplett durcheinander, und die Spieler selbst? Frankreichs Nationalspieler gingen kollektiv in den Trainingsstreik.
Diese Entschiedung spiegelt einmal wieder, welch deutliche Aussage ein Streik für die Franzosen hat und wie sehr es doch für sie ein klares Zeichen der eigenen Meinung ist. So ist es nicht selten, dass die öffentlichen Nahverkehrszüge und –busse in Paris für einen ganzen Tag still stehen und jedes Fahrrad in ganz Paris ausgeliehen ist, weil die Gewerkschaften ihren Missmut durch Stillstand bekräftigen wollen.
Ein anderer besonders Effektiver Streik war der der Fischer im vergangenen Jahr. Aufgrund von Protesten gegen die Fangquoten von Seezunge und Kabeljau an den französischen Küsten beschlossen die Fischer samt Crew und Fischerboot auf dem Wasser zu streicken und blockierten so in großer Anzahl mit ihren Booten den Hafen von Calais im Norden des Landes. Dies führte dazu, dass nicht nur der industrielle Schiffsbetrieb im Hafen von Calais zum Erliegen, sondern natürlich auch die wichtigste Fährverbindung zwischen Frankreich und England zum Stillstand kam. Das hatte zur Folge, dass viele Tausende Urlauber auf der britischen Insel festsaßen, da sich die Fischer genau das Osterwochenende für ihren Streik ausgesucht hatten.
Hinzu kam noch die Androhung der französischen Gewerkschaften den Zugverkehr durch den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal aus reiner Solidarität mit den Fischern auch direkt lahm zu legen. Natürlich macht es den Streikenden selbst auch keinen all zu großen Spaß mit solch großen Aktionen um ihr Recht und ihr finanzielles Überleben zu kämpfen, aber sie „haben ja keine andere Wahl“ wie sie selbst betonen.
Somit sollte also jeder Frankreichbesucher gewarnt sein vor der Streik-Lust der Franzosen und sich immer darauf vorbereiten, unter Umständen in einen der beliebten Streiks zu landen und für kurze Zeit festzusitzen. Denn der Streik ist nunmal des Franzosen liebstes Machtinstrument.
Bildnachweis: Wikipedia Commons - Nicolas Anelka
















