Der 1. Mai ist in vielen Länder der Welt ein gesetzlicher Feiertag. So auch in Frankreich. Auch hier wird an diesem besonderen Tag die arbeitende Bevölkerung des Landes gefeiert und auf die Rechte der Arbeiter aufmerksam gemacht. Natürlich zählen dazu auch die Demonstrationen und Kundgebungen zu Themen wie Arbeitsrecht oder Menschenrechte im Allgemeinen. So gingen auch in diesem Jahr auf Frankreichs Straßen wieder viele Demonstranten auf die Straßen um ihre Meinungen zu politischen und sozialen Themen publik zu machen. Doch in Frankreich gibt es auch eine Tradition mit großem Kontrast zu den vielen Demos. Denn hier werden schon seit vielen Jahrhunderten Blumensträuße aus Maiglöckchen verschenkt!
Der Ursprung dieser Tradition soll schon im Jahr 1561 liegen. König Charles IX bekam damals am 1. Mai einen Strauß Maiglöckchen als porte-bonheur (franz. Glücksbringer) geschenkt. Diese Geste gefiel im so gut, dass er diese typische Frühlingsblume in den Folgejahren an jedem 1. Mai den Damen seines Hofes als Zeichen der Anerkennung schenkte. Auch wenn diese Tradition über die Jahre in Vergessenheit geriet, so ist sie spätestens seit Anfang des 20.Jahrhunderts wieder eine feste Tradition der Franzosen.
Anfänglich wurden die muguet, die Maiglöckchen allerdings noch hauptsächlich von den Herren an die Damen ihrer Zuneigung verschenkt. Mittlerweile sieht man diese Geste vor Allem zwischen Familienmitgliedern und Freunden, die sich Ihre gegenseitige Wertschätzung zeigen möchten. Außerdem sieht man besonders in den ländlicheren Gegenden heutzutage auch viele Familien früh morgens am 1. Mai in die Wälder aufbrechen, um von dort frische Maiglöckchen zu pflücken und zu sammeln.
Denn eine weitere Besonderheit gilt dem Verkauf der vorher gepflückten Glöckchen. Denn durch eine Sonderregelung der Regierung dürfen nur am 1. Mai die Maiglöckchensträuße ohne besondere Zulassung oder eigentlichen Stand bzw. Kaufladen am Straßenrand oder direkt von zu hause aus verkauft werden. Steuern müssen dann natürlich auch nicht bezahlt werden. Viele gemeinnützige oder wohltätige Organisationen und Vereine nutzen diese Chance und verkaufen die Blumen mit dem Zweck den Erlös des Verkaufs entweder ihren eigenen Organisationen zukommen zu lassen oder aber als wohltätige Spende weiter zu geben.
Ansonsten sieht es in Frankreich nicht sehr viel anders aus als in Deutschland.
Der 1. Mai ist auch hier ein journée chômée (arbeitsfreier Tag), der mit Ausnahmen an Flughäfen oder in den Cafés in touristischen Hochburgen somit ein sehr ruhiger und entspannter Ferientag ist. Auch wenn es vielleicht nicht ganz so viele Menschengruppen zu sehen gibt, die mit einem Bollerwagen durch die Wälder und Länder ziehen, so lassen sich dennoch viele mit weißen kleinen Blumen bestückte Familien und Freunde beobachten, die fröhlich anderen Menschen ihre Maiglöckchen schenken. Das macht den 1. Mai in Frankreich in wahrsten Sinne zu dem blumigsten Tag im ganzen Jahr.
Bildnachweis: Wikipedia Commons - Balzac Lily Valley / Convallaria majalis

















