Eine der bekanntesten und sehr verehrten Persönlichkeiten Frankreichs ist Jeanne d’Arc, im Deutschen eher als Johanna oder Jungfrau von Orléans bekannt. Sie ist nicht nur französische Nationalheldin, sonder auch Heilige der katholischen und anglikanischen Kirche. Während sie schon zu ihrer kurzen Lebzeit zu viel Ruhm und Ehre unter ihren Landsmännern kam, so brachte ihr erst der dramatische Tod, die damit verbundene Rehabilitation und die anschließende Heiligsprechung ihren bis heute hin bekannten Status ein.
Jeanne d’Arc wurde im Jahr 1412 in Domrémy, Lothringen, während der zweiten Hälfte des Hundertjährigen Krieges als Tochter einer wohlhabenden Bauernfamilie geboren. Die Engländer drangen mehr und mehr in Frankreich ein um den Thron Frankreichs für sich in Anspruch zu nehmen, der nach dem Tod des französischen Königs Karl IV nun im Zuge von Erbfolgestreitigkeiten neu zu besetzten galt. Mit gerade mal 13 Jahren hatte Jeanne ihre ersten Visionen von verschiedenen Heiligen, wie der Heiligen Katharina, Erzengel Michael und der Heiligen Margareta, die ihr laut ihrer eigenen Aussage befahlen den Dauphin Karl VII. zum Thron zu führen.
Daraufhin versuchte sie über verschiedene Ämter bis zum Dauphin vorzudringen, was ihr auch gelang. Nachdem sie Karl VII. überzeugt hatte, dass sie im Namen des Himmels gesandt sei ihm zu helfen und ihm versprach, dass er mit ihrer Hilfe in Reims zum König gekrönt werden würde, hatte Jeanne sein vollstes vertrauen. Sie gewann darauf hin in seinem Namen mit ihren eigenen Heeren verschiedene Schlachten und Kämpfe und trug enorm dazu bei, die Engländer bis zum Juni 1429 aus den Burgen südlich der Loire zu vertreiben. Jeanne d’Arc selbst erreichte ihren sozialen Höhepunkt, als der Dauphin am 17. Juli 1429 wie von ihr prophezeit in der Kathedrale von Reims zum König von Frankreich gekrönt wurde und sie währen der Zeremonie neben dem Altar stand.
Ihr Fall begann mit ihrer Festnahme durch die Burgunder während ihres Versuchs, die Stadt Paris zu befreien.
Diese verkauften sie daraufhin an die Engländer, welche sie der katholischen Gerichtsbarkeit in Rouen übergaben. Hier wurde sie „wegen ihres Aberglaubens, ihrer Irrlehren und anderer Verbrechen gegen die göttliche Majestät“ von der Inquisition gerichtet. Nach dem dreimonatigen Prozess wurde sie in 12 von 67 Anklagepunkten letztendlich u. a. wegen des Feenzaubers, des Gebrauchs der Alraunenwurzel, der Häresie, der Dämonenanbetung und des Mordes verurteilt. Doch aus Angst vor dem Scheiterhaufen schwor Jeanne ihren Überzeugungen ab, woraufhin man sie als Ketzerin zur lebenslangen Haft verurteilte.
Da dies aber nur ein kirchliches Gefängnis zur Folge hätte und den Anhänger der Katholischen Kirche auch aus Sicherheitsgründen nicht ausreichte, wurde ihr erneut der Prozess gemacht. Dies geschah um einerseits König Karl VII. öffentlich zu schwächen durch seine Verbundenheit mit Jeanne d’Arc, als auch sie als unbelehrbare Ketzerin zu verurteilen, da dies den Scheiterhaufen bedeuten würde. So geschah es schlussendlich auch und Jeanne d’Arc wurde am 30. Mai 1431 als „notorisch rückfällige Ketzerin“ auf dem Markplatz von Rouen verbrannt. Ihre Asche wurde in die Seine gestreut, um dem Reliquienkult mit ihren Überresten zu vermeiden.
Karl VII. eröffnete 24 Jahre später vor dem Hintergrund veränderter politischer Verhältnisse in der Kathedrale Notre-Dame de Paris einen Rehabilitationsprozess. Jeanne d’Arc, immer noch sehr populär unter dem französischen Volk, wurde am Ende vollständig rehabilitiert und im Jahr 1909 von Pius X. selig- und am 16. Mai 1920 von Benedikt XV. heilig gesprochen. Bis heute wird Jeanne d’Arc für ihren unbedingten Glauben an Gott sowie ihres Bewusstseins ihrer Göttlichen Sendung und ihr, wenn auch viel zu kurzes, selbstloses und heroisches Leben von den Franzoschen respektiert und geehrt.
Bildnachweis: Wikipedia Commons Vision / Coronation Charles VII

















