Wer plant in naher Zukunft nach Frankreich in den Urlaub zu fahren, sollte sich auf jeden Fall schon einmal vorab mit den Spielregeln des beliebtesten Freizeitsports der Franzosen vertraut machen: dem Boule. Genauer gesagt, den vielen verschiedenen Arten des „Kugelns“, denn Boule ist nur der Oberbegriff dieser vom Olympischen Komitee anerkannten Sportart. Das typische Bild der älteren Herren die in den Parks und Straßen gemütlich im Nachmittag ihrem Hobby frönen gehört mit zu einem der bekanntesten Impressionen Frankreichs. Was vielen dabei aber meist nicht bekannt ist, sind die vielen Variationen des Spiels und die weite Verbreitung innerhalb Europas und der restlichen Welt.
Zum ersten Mal erwähnt wurde das Kugelspiel schon 460 v. Chr. im Zusammenhang mit Empfehlungen griechischer Ärzte. Darauf hin folgten ab dem 13 Jahrhundert immer wieder Verbote und Regelungen im Zusammenhang zum Boule. Die heute am meist verbreitete Boule-Version Pétanque wurde letztendlich 1907 offiziell anerkannt und im gleichen Jahr fand auch die erste Meisterschaft statt. Im internationalen Raum ist Boule zum Beispiel noch als Boccia in Italien oder Bowl in Großbritannien bekannt.
In Frankreich selbst gibt es viele regionale Spielarten der Boule, die sich jeweils durch abgeänderte Regeln unterscheiden. Die meist bekannten Versionen sind das Boule Lyonnaise, das Jeu Provençal, und das Pétanque. Im Grundsatz ist die Spielidee jedoch bei allen Arten gleich: mehrere Kugeln werden versucht so nah wie möglich an eine kleinere Zielkugel platziert zu werden durch Werf- oder Stoßbewegungen. Da das Boule natürlich auch ein Wettkampfsport ist, gilt es dabei die Kugeln des eigenen Teams näher an die Zielkugel zu platzieren als der Gegner.
Am Ende hat der Spieler oder die Mannschaft gewonnen, die ihre Kugeln am Schluss einer Aufnahme (Runde) am Nahesten platziert hat. Gespielt wieder entweder 1 gegen 1 (Tête-á-Tête), 2 gegen 2 (Doublette), oder 3 gegen 3 (Triplette). Das Ende des Spiels ist erreicht wenn eine Seite 13 Punkte erreicht hat. Die Regeln, das Gewicht der Kugel, sowie die Abmessungen des Spielfeldes variieren dann wiederum je nach Spielart.
Bei der beliebtesten Art des Bouel, das Pétanque, hat die Kugel ein Gewicht zwischen 600 und 900 g, wobei sich das Spielfeld auf einer Länge von 6 bis 10 Metern erstreckt. Der Ursprung des Pétanque geht zurück bis in das Jahr 1907, wo in der kleinen Stadt La Ciotat an der Côte d’Azur ein von Rheuma geplagter, aber immer noch begeisterter Boule-Spieler mit Hilfe eines Freundes die Regeln vom ursprünglichen Jeu Provençal so abgewandelt hatte, dass auch er weiterhin seiner Leidenschaft nachgehen konnte. Wo beim Jeu Provençal noch mit Anlauf die Kugel punktiert wurde, mussten nun beide Beine fest am Boden stehen – woher auch der Name des Spiels stammt. Auf Französisch heißt nämlich “geschlossene Füße” übersetzt pieds tanqués, auf provencalisch hieß es ped tanco. Aus diesen beiden Begriffen bildete sich dann das heutige Pétanque.
Auch wurde die Spielfeldlänge verkürzt und das Spielfeld selbst konnte nun auf jeglichem Untergrund gespielt werden. Daher finden sich auch heutzutage so viele kleine Gruppen in den Straßen und Parks in Frankreich wieder, die ihrem Hobby jeder Zeit und überall nachgehen können. Der im Jahr 1943 gegründete Boule-Verband Fédération Francaise de la Pétanque et du Jeu Provencal (F.F.P.J.P.) beweist mit seinen über 500.000 Millionen eingeschriebenen Mitgliedern die andauernde Popularität dieser Sportart unter den Franzosen.
Aber auch in Deutschland gibt es einen Boule-Verband, der Deutsche Pétanque Verband, wo es noch viele weitere Informationen zum französischen Volkssport gibt, und auch eine Übersicht über die genauen Spielregeln des Pétanque.
Bildnachweis: Wikipedia Commons: Boules in Action / Boule-Kugeln

















