Nachdem wir letzte Woche die Kinderjahre der Franzosen kennen gelernt haben, geht es heute mit rasanter Geschwindigkeit in die Teenagerjahre. Denn genau so wie in Deutschland besuchen auch die Franzosen ab dem Alter von 10 Jahren die weiterführende Schule. Aber auch wenn das sehr vertraut klingt, so läuft doch einiges Rückwärts in den französischen Schulen…
Collège
Die Sekundarstufe I wird mit dem Besuch des Collège eingeleitet. Das Collège besuchen die Franzosen im Alter von 10 bis 14 Jahren. Das besondere am französischen Schulsystem ist jedoch, dass ab jetzt die Stufen rückwärts gezählt werden. So wird der erste Cycle d’observation (die Beobachungsstufen) am Collège als sixième und cinquième, also 6. und 5. Klasse bezeichnet. Darauf folgen die quatrième und troisième (7. und 8. Klasse in Deutschland), auch Cycle d’orientaiton genannt. Insgesamt gibt es um die 7.000 öffentliche Collège in Frankreich, welche die Schüler aber mit Vollendung des 16. Lebensjahres verlassen dürfen. Damit endet für die Franzosen dann auch die Schulpflicht. Am Ende des Collège erhalten die Schüler ein Brevet, welches im Grunde Deckungsgleich ist mit der deutschen mittleren Reife.

Lycée Louis le Grand in Paris ist eines der anspruchvollsten im Land und hat den Sonnenkönig Louis XIV als Namenspatronen.
Lycée
Auch wenn die anschließende Schullaufbahn freiwillig ist, und auch nach dem Collège eine Lehre angefangen werden kann, so besuchen doch immer noch um die 80% aller Franzosen das anschließende Lycée. Auch das Lycée, gleichzusetzten mit dem Gymnasium, zählt rückwärts auf den Abschluss hin, mit den Stufen seconde, première und terminal, und ist in zwei grundsätzliche Zweige unterteilt.
Zum Einen können die französischen Schüler das lycées d’enseignement général et technologiques, also das allgemeinbildende und technische Gymnasium besuchen, auf dem sie zwischen 3 verschiedenen allgemeinen Richtungen wählen können. Hier gibt es das literarische, das wirtschaftliche und zuletzt noch das naturwissenschaftliche Abitur. Am Ende wird das Baccalauréat abgelegt, welches im Grunde der deutschen Abiturprüfung entspricht, aber in insgesamt 12 Fächern abgelegt werden muss.
Zum Anderen gibt es dann das berufsbildende Gymnasium, das lycées d’enseignement professionnel. Nach nur zwei Jahren können die Schüler hier entweder das Certificat d’aptitude professionnel (CAP) bzw. dem Brevet d’études professionnelles (BEP) abschließen.
En résumé gibt es zwar keine all zu großen Unterschiede zu Frankreichs Schulen, aber dennoch herrscht ein sehr eigenständiges und individuelles Bildungssystem im Lande der liberté, égalité et fraternité.
Bildnachweis: Wikipedia Commons - Lycée Louis le Grand
















